Landwirtschaft war und ist in Bayern nahezu omnipräsent. Kein Wunder also, dass in Zeiten, in denen bayerische Bauern noch nicht mit Hochleistungsmaschinen agieren konnten, Pferde als Arbeitstiere sehr gefragt waren. Natürlich bedarf es für die anstrengende landwirtschaftliche Arbeit aber nicht eines edlen, temperamentvollen Pferdes, sondern eines Kaltblüters, der Kraft und Ausgeglichenheit gleichermaßen mitbringt. Das Kaltblut, das in Bayern eine starke Verbreitung gefunden hat, nennt sich Süddeutsches Kaltblut. Die Geschichte dieser Kaltblutrasse ist, wie wir noch weiter unten ausführen werden, auf das Engste verbunden mit der Geschichte der Noriker, einer Gebirgskaltblutrasse, deren Hauptzuchtgebiet das österreichische Salzburg ist. Im Folgenden werden wir darstellen, wie das Süddeutsche Kaltblut entstanden ist, wie es sich optisch präsentiert und welche Charaktereigenschaften man ihm unterstellen kann. Auch werden wir versuchen, die Frage zu beantworten, ob und inwiefern sich Noriker und Süddeutsches Kaltblut unterscheiden.

Geschichte des Süddeutschen Kaltblutes

Das Süddeutsche Kaltblut ist aus der Kaltblutrasse der Noriker entstanden. Beide Rassen teilen sich somit einen Ursprung. Dieser ist natürlich in der Alpenregion zu verorten, in der es auch aufgrund der mitunter unwirtlichen Umgebung seit jeher einen Bedarf an Pferden gab, die zum Beispiel als Saumpferde fungierten. Teile des österreichischen und deutschen Alpenlandes bildeten die römische Provinz Noricum. Der Einfluss der Römer bezog sich dabei auch auf die Pferde der Region: Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Pferde der Römer im Laufe der Zeit mit einheimischen Pferden gekreuzt wurden, wodurch ein neuer Typus entstehen konnte. Auch andere Pferderassen hatten allerdings ihren Einfluss auf die Entstehung der Noriker, die sich im Laufe der Zeit in Österreich und in Bayern immer mehr verbreiteten. Um an dieser Stelle allerdings nicht zu sehr in die Tiefen der Norikerzucht einzutauchen, sei gesagt, dass diese Pferde sowohl in Österreich als auch Bayern weiter gezüchtet wurden. Die Bezeichnung Noriker wird in Österreich immer noch genutzt, in Deutschland wurde allerdings die Bezeichnung Süddeutsches Kaltblut eingeführt. Zwar kann man die enge Verwandtschaft von Noriker und Süddeutschem Kaltblut auf keinen Fall bestreiten, da beide Gebiete eigenständig züchten, sollte es allerdings offenkundig sein, dass sich auch leicht unterschiedliche Zuchtziele herausbilden konnten.

Unterschiede zwischen Noriker und Süddeutschem Kaltblut

Darüber, inwiefern sich Noriker und Süddeutsches Kaltblut voneinander unterscheiden, lässt sich vortrefflich streiten. Und dies wird ohne Frage auch getan, sind doch beide Zuchtgebiete sehr stolz auf ihre Kaltblutpferde, die sie auch heute noch in einem solchen Maße züchten, dass Noriker und Süddeutsches Kaltblut im Gegensatz zu manch einer anderen Kaltblutrasse nicht gefährdet sind. Grundsätzlich sollte man die sehr enge Verwandtschaft zwischen Noriker und Süddeutschem Kaltblut betonen. Wenn eine Einordnung der beiden Rassen zwingend notwendig erscheint, könnte man zudem sagen, dass das Süddeutsche Kaltblut eine eigene Linie des Norikers darstellt. In Bezug auf das äußere Erscheinungsbild kann sich dieser Umstand so äußern, dass das Süddeutsche Kaltblut mitunter etwas größer, aber auch leichter und somit schlanker ist als der typische Noriker. Dieser Unterschied lässt sich allerdings nur verallgemeinernd beschreiben und es ist nicht davon auszugehen, dass jedes Süddeutsche Kaltblut leichter, größer und schlanker als jeder Noriker ist. Auch in Hinblick auf weitere optische Details können leichte Unterschiede zwischen Noriker und Süddeutschem Kaltblut festgestellt, aber in der Regel nicht absolut verallgemeinert werden. Mitunter wird auch als Unterschied zwischen Noriker und Süddeutschem Kaltblut angeführt, dass die Farbauswahl beim Noriker größer ist. Dass es beim Süddeutschen Kaltblut allerdings nur Braune und Füchse geben würde, ist wohl eher ein Trugschluss, auch wenn diese Färbungen weit verbreitet erscheinen. Zusätzlich gibt es auch beim Süddeutschen Kaltblut Rappen, Schimmel und Tiger.

Äußere Merkmale des Süddeutschen Kaltblutes

Es erscheint wenig sinnvoll, ewig über die Unterschiede zwischen Noriker und Süddeutschem Kaltblut zu spekulieren und sich dabei versucht zu fühlen, sich auf die eine oder andere Seite zu schlagen. Wichtiger festzuhalten ist, dass beide Kaltblutrassen optisch sehr attraktiv sind. Das Süddeutsche Kaltblut erreicht oft ein Stockmaß zwischen 160 und 165 Zentimetern und kann dabei bis zu 850 Kilogramm auf die Waage bringen. Die Kaltblutrasse ist somit als mittelgroß einzustufen, was ihr auch eine gewisse Wendigkeit verleiht. Insbesondere in letzterer Zeit wird wieder verstärkt Wert auf ein eleganteres Erscheinungsbild des Süddeutschen Kaltblutes gelegt. Dies resultiert daraus, dass die Tiere nicht mehr arbeiten, sondern vielmehr vielseitige Begleiter in der Freizeit sein müssen. Wie oben schon erwähnt, sind unter den Süddeutschen Kaltblütern Füchse sehr stark vertreten. Sie weisen dabei häufig helles Langhaar auf, das zu ihrer Körperfärbung in einem schönen Kontrast steht. Der Körper des Süddeutschen Kaltblutes zeigt eine gute Bemuskelung, ohne dass die Pferde allerdings zu massiv wirken würden. Gut zu dieser Erscheinung passt der mittelschwere Kopf, der auf einem mittellangen, nicht zu kurzem Hals sitzt, der sich zudem in Richtung des Kopfes verjüngt. Die Augen eines Süddeutschen Kaltblutes besitzen Ausdruck und lassen erahnen, dass diese ehemaligen Arbeitstiere ihre Gutmütigkeit auch heute noch nicht verloren haben. Im Gegensatz zu manch einer anderen Kaltblutrasse findet man an den Fesseln des Süddeutschen Kaltblutes eher einen mäßigen Kötenbehang vor. Die Hufe fallen recht hart aus und bestehen im Idealfall aus dunkel gefärbtem, sehr langlebigem Horn. Auf die Hufgesundheit wird bei der Züchtung des Süddeutschen Kaltblutes besonderer Wert gelegt.

Charaktermerkmale des Süddeutschen Kaltblutes

Auch das Süddeutsche Kaltblut kann selbstverständlich auf eine Vergangenheit als Arbeitstier zurückblicken. Aus dieser Zeit bewahrt hat es sich sein umgängliches Wesen sowie seinen Arbeitswillen und seine Ausdauer. Gleichzeitig ist das Süddeutsche Kaltblut aber kein Langweiler, sondern erfreut den Menschen mit einem aufmerksamen und lebendigen Temperament, ohne dass die gute Führbarkeit allerdings unter dieser Lebendigkeit leiden würde. Das Süddeutsche Kaltblut ist, was die Fütterung anbelangt, recht unkompliziert. Es verwertet Futter gut und hat keinen übergroßen Bedarf an (besonderer) Nahrung.

Verwendbarkeit des Süddeutschen Kaltblutes

Aufgrund seiner Statur erweist sich das Süddeutsche Kaltblut als zugstark und ausdauernd. Dies kommt dem Kaltblut zum Beispiel dann zugute, wenn es darum geht, Wagen zu ziehen. In der bayerischen Landwirtschaft hat das Süddeutsche Kaltblut früher viel Arbeit gefunden, geht es heutzutage um eine Verwendung als Zugpferd, ist eher der Freizeitbereich betroffen. Die Bayern lieben ihre Traditionen und aus diesem Grund wird man auch bei manch einem Festumzug auf ein Gespann treffen, das mit Süddeutschen Kaltblütern besetzt ist. Da die moderne Zucht nicht mehr allzu stark auf die Masse und Schwere des Kaltblutes ausgelegt ist, eignen sich Vertreter dieser Rasse allerdings auch zum Reiten. Sowohl die vielseitige Verwendbarkeit des Süddeutschen Kaltblutes als auch sein angenehmer Charakter und sein attraktives Äußeres werden wohl auch in Zukunft dazu beitragen, dass diese Kaltblutrasse Bestand haben wird. Die Liebe der Bayern zu Traditionen und zur Bewahrung von Althergebrachten erledigt ein Übriges, sodass das Süddeutsche Kaltblut hier immer seine Liebhaber finden wird.