Das Shire Horse ist eine englische Kaltblutrasse und gehört mit Sicherheit zu den interessantesten Kaltblutpferden. Warum dies so ist, lässt sich leicht erklären. Zum einen ist diese Kaltblutrasse optisch sehr auffällig. Vertreter dieser Rasse gelten als die größten Pferde der Welt.

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Zum anderen kann das Shire Horse auf eine relativ lange Geschichte zurückblicken. Die Kaltblutrasse hat es dabei geschafft, auch heute noch, in einer Zeit, in der die Verwendung von Pferden in der Landwirtschaft lange zurückliegt, präsent zu bleiben. Im Gegensatz zu vielen anderen Kaltblutrassen gilt das Shire Horse heute nicht als gefährdet, auch wenn es in den 50er und in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts fast ausgestorben wäre. Zum Glück konnte sich die Rasse allerdings wieder gut erholen und besitzt heute Fans auf der ganzen Welt. Im Folgenden möchten wir Ihnen die faszinierende Rasse etwas genauer vorstellen. Sie werden dabei sowohl Informationen zu der Zuchtgeschichte des Shire Horses finden als auch Hinweise darauf, welche optischen und charakterlichen Merkmale für diese Pferderasse typisch sind.

Wie alles begann – die Geschichte des Shire Horses

Im Gegensatz zu manch einer anderen Kaltblutrasse ist über die Geschichte des Shire Horses sehr viel bekannt, auch wenn es bei manchen Details kleine Unstimmigkeiten und Meinungsverschiedenheiten geben mag. Im Folgenden geben wir einen kleinen Überblick über die Geschichte des Shire Horses, wie man sie im Allgemeinen heute erzählt. Im weitesten Sinne verortet man den Ursprung des Shire Horses bereits im 11. Jahrhundert. Dies ist nicht der Zeitpunkt, zu dem die Zucht begann, allerdings im weitesten Sinne der, zu dem die Basis für die Entwicklung des Shire Horses gelegt werden konnte. Zu dieser Zeit regierte Wilhelm I. das Königreich England. Er importierte Kaltblüter in sein Königreich, die in Hinblick auf ihre Größe mehr zu bieten hatten als die einheimischen Pferde. Zwar konnte man zu diesem Zeitpunkt sicherlich noch nicht erkennen, dass es in Zukunft derart große Pferde wie das Shire Horse geben wird, ganz im Gegenteil waren die früheren Pferde im Vergleich zu heutigen sogar eher klein. Der Import größerer Pferde bildet aber den Ausgangspunkt für diese faszinierende Entwicklung und es muss bedacht werden, dass auch schon die Pferde, die damals als groß galten, einen starken Eindruck auf die früher ebenfalls im Durchschnitt noch kleineren Menschen gehabt haben mussten.
Schon in den folgenden Jahrhunderten zeichnete es sich ab, dass nützliche Pferde eine gewisse Masse und Stärke mitbringen müssen. Die Tiere dienten nun nämlich nicht mehr primär als Kriegspferde, die zwar auch stark, gleichermaßen aber auch schnell und wendig sein mussten, sondern vor allem als Helfer in der Landwirtschaft, die im Mittelalter noch ein sehr schweres Geschäft war. Es ist wahrscheinlich, dass man sich unter anderem belgischer Pferde bediente, um noch mehr Masse und Größe bei den gezüchteten Pferden zu erreichen. Diese wurden mit den einheimischen Pferden verpaart, bis man schließlich auf zusätzliche Importe verzichten konnte. Im 16. Jahrhundert achtete man bei der Pferdezucht noch mehr auf Größe und Stärke und betrieb eine zielgerichtete Selektion. Später kreuzte man auch noch Friesen ein und erhielt die sogenannten Black Horses, bis man den wirklichen Beginn der Rasse Shire Horse schließlich im 18. Jahrhundert verorten konnte. Auch wenn die Engländer heute sicherlich wieder sehr stolz auf ihre Shires sind, konnten sie dieser Pferderasse nicht immer die unbedingte Treue halten. Insbesondere in der Mitte des 19. Jahrhunderts verkaufte man viele Shire Horses, die dann unter anderem auch zum Entstehen einer neueren Rasse – des Clydesdales, das aus Schottland stammt, – beitrugen. Schon wenig später wurde allerdings in England eine Society gegründet, die sich der faszinierenden Pferderasse annahm und ihr zu einem Fortbestand und vor allem auch zu gesundheitlichen Verbesserungen verhalf.

Äußeres Erscheinungsbild

Das Erste, was an einem Shire Horse auffällt, ist selbstverständlich die Größe. Im Durchschnitt erreichen diese Pferde ein Stockmaß, das leicht über der 1,70-Meter-Marke liegt, es gab allerdings schon Exemplare, die sogar ein Stockmaß von über 2 Metern erreichten und sich somit wirklich sehr gigantisch präsentierten. Der Größe entsprechend bringt ein Shire Horse auch ein beachtliches Gewicht auf die Waage. Um die 1.000 Kilogramm sind recht üblich, sehr große Vertreter können dieses ohnehin schon hohe Gewicht mitunter aber noch toppen und wiegen dann gerne noch einige Hundert Kilogramm mehr. Die Größe und Masse sind allerdings nicht die einzigen optischen Merkmale, die bei einem Shire Horse in die Augen springen. Der Kopf dieser Pferde ist recht lang gezogen. Er sitzt auf einem kräftigen, leicht gebogenen Hals, der im Verhältnis zum sonstigen Körper des Tieres sogar recht lang wirkt. Das Shire Horse zeigt zudem in der Regel eine kräftige Mähne, einen mitunter bodenlangen Schweif und einen ausgeprägten Kötenbehang, den man prototypisch mit einem Kaltblut verbindet. Dieser setzt bereits recht weit oberhalb der Fesseln an, ist in modernen Züchtungen allerdings nicht mehr derart gefragt wie zu früheren Zeiten. Trotz dieses Behangs an den Fesseln wirken die Beine nicht zu kurz. Die Hinterhand ist sehr kräftig, zudem macht sich die Masse des Pferdes anhand des mächtigen Rückens und dem eher gedrungenen Körper bemerkbar. In Bezug auf die Fellfärbung sind Braune unter den Shire Horses am stärksten vertreten. Sie weisen in der Regel weiße Abzeichen auf, die sich häufig auf der Blesse sowie an den Beinen zeigen. Letztere erzeugen oft den Eindruck, das Shire Horse würde Stiefel tragen. Neben den weitverbreiteten Braunen gibt es aber auch Schimmel, Rappen und Füchse unter den Vertretern dieser Pferderasse.

Charakterliche Merkmale

Ganz im Gegensatz zu seinem imposanten Äußeren zeigt sich das Shire Horse von einer ausgesprochen sanftmütigen Seite. Die Pferderasse wurde in früheren Zeiten gerne in der englischen Landwirtschaft eingesetzt und musste sich daher gut führen und ausbilden lassen. Von seiner Gelehrigkeit hat das Shire Horse auch heute noch nichts eingebüßt. Sie bietet die fruchtbare Basis, das durchaus intelligente Pferd an unterschiedlichste Aufgaben heranzuführen. Es zeigt sich dem Menschen gegenüber stets freundlich und kann eine enge Bindung zu seinen Menschen aufbauen, ist aber trotz seiner Ruhe und Sanftmut, die von ihm ausgeht, nicht lethargisch. Ganz im Gegenteil weist ein Shire Horse ein angenehm lebendiges Temperament auf, wenn man bedenkt, dass Kaltblütern oft das genaue Gegenteil nachgesagt wird. Darüber hinaus gilt das Shire Horse als robust. Da es allerdings sehr schnell wächst, darf es erst mit vier bzw. fünf Jahren zum Fahren bzw. Reiten eingesetzt werden, da in der Regel erst zu diesen Zeitpunkten davon ausgegangen werden kann, dass das Knochengerüst des Pferdes sich in ausreichendem Maße gefestigt hat. Bei der Haltung des Pferdes muss unter anderem darauf geachtet werden, dass den großen Tieren ausreichend Platz geboten werden kann, der Kötenbehang speziell gepflegt werden sollte und es für ein Tier, das in früheren Zeiten als Arbeitstier fungierte, immer ideal ist, ausreichend Beschäftigung zu haben. Letzteres bedeutet aber nicht, dass das Shire Horse nicht gerne einmal auch nur auf der Weide steht und es sich gut gehen lässt.

Verwendung des Shire Horses

In früheren Zeiten gab es für das Shire Horse viel Arbeit. Dank ihrer Stärke konnten die imposanten Pferde zum Beispiel Wagen ziehen, um Ernten einzubringen oder Güter von einem Ort zum nächsten zu transportieren. Auch heute noch eignet sich das Shire Horse noch hervorragend als Zugpferd. Es wird dabei im Freizeitbereich eingesetzt oder aber medienwirksam zu Werbezwecken oder auf Paraden, wenn es etwas zu feiern gibt. Natürlich eignet sich ein Shire Horse aber auch als Reitpferd – dies gilt besonders dann, wenn es der Reiter lieber gemütlich angeht. Zum langen Reiten in den schnelleren Gangarten eignen sich Kaltblüter ohnehin oft nicht gut. Bei den wirklich großen Exemplaren der Rasse muss man allerdings ein wenig Arbeit in die Suche eines passenden Sattels investieren – schließlich stellt das größte Pferd der Welt in diesem Kontext besondere Ansprüche. Die Beliebtheit der Shire Horses ist mittlerweile auch in Deutschland sehr groß. Mit einem Rückgang dieser Beliebtheit ist nicht zu rechen. Eher erscheint es wahrscheinlich, dass aufgrund des faszinierenden Äußeren und des angenehmen Charakters dieser Pferde immer mehr Personen auf den Geschmack kommen werden und ein Shire Horse ihr Eigen nennen möchten.