Das Rheinische Kaltblut heißt vollständig eigentlich Rheinisch-Deutsches Kaltblut. Der Einfachheit halber werden wir im Folgenden allerdings bei der kürzeren Namensvariante bleiben, die allerdings ohne Frage etwas umgangssprachlich ist. Beide Namen geben aber natürlich die Region preis, in der sich diese Kaltblutpferderasse entwickeln konnte. Die Zucht lässt sich aber noch genauer lokalisieren: Wickrath, das heute nur noch ein Bezirk der niederrheinischen Stadt Mönchengladbach ist, kann als der Ausgangspunkt für die Zucht des Rheinischen Kaltblutes gelten. Da das Wickrather Landgestüt, das für die Entstehung dieser Kaltblutrasse verantwortlich zeichnet, allerdings schon seit mehr als 50 Jahren nicht mehr existiert, ist heute Westfalen ein Zuchtzentrum des Rheinischen Kaltblutes. Hier ist das Landgestüt Warendorf unweit der Westfalenmetropole Münster ansässig, das sich heute noch immer auch für den Fortbestand von Kaltblütern einsetzt, auch wenn dies nicht die einzige Aufgabe des Landgestütes ist. Tatsächlich hat das Rheinische Kaltblut heutzutage, in einer Zeit, in der Arbeitstiere in der Landwirtschaft keine Rolle mehr spielen, stark an Bedeutung verloren. Dieser unschöne Trend, von dem mehr oder weniger alle Kaltblutpferderassen betroffen sind, hat im Falle des Rheinischen Kaltblutes solch bedrohliche Ausformungen angenommen, dass die Rasse als vom Aussterben bedroht klassifiziert werden kann. Ähnlich geht es im Übrigen auch dem Mecklenburger Kaltblut, das als ein in Mecklenburg gezüchteter Schlag des Rheinischen Kaltblutes gilt.

Zuchtgeschichte des Rheinischen Kaltblutes

Anders als man heute vermuten könnte, wenn man erfährt, dass das Rheinische Kaltblut heute derart bedroht ist, war es in früheren Zeiten in Deutschland sehr verbreitet. Entstanden ist die Rasse, indem zunächst belgische Kaltblüter mit heimischen Warmblütern gekreuzt wurden. Warum man so verführ, liegt auf der Hand: In der Landwirtschaft waren im 19. Jahrhundert keine eleganten und temperamentvollen Pferde gefragt, sondern starke, genügsame und ausgeglichene Pferde, die eine wertvolle Hilfe bei der Arbeit sein konnten. Warum ausgerechnet belgische Kaltblüter für die Entwicklung einer neuen Rasse herangezogen wurden, hat sicherlich in einem gewissen Maße auch pragmatische Gründe: Schließlich weisen Niederrhein und Belgien eine gewisse Nähe zueinander auf und in Deutschland waren Kaltblüter Mangelware. Im Laufe der Zeit emanzipierte sich die Zucht der Kaltblüter im Rheinland allerdings mehr und mehr und das Rheinisch-Deutsche Kaltblut wurde zu einer eigenständigen Rasse.

Aussehen des Rheinischen Kaltblutes

Das Rheinische Kaltblut weist ohne Frage ein sehr ansehnliches Erscheinungsbild auf. Es ist mit einem Stockmaß von bis zu 172 Zentimetern relativ groß und kann aufgrund seiner Statur, die viele Muskeln aufweist, durchaus 850 Kilogramm oder noch mehr wiegen. In modernen Zeiten, in denen das Rheinische Kaltblut allerdings nicht mehr so enorm schwer ausfallen muss, trifft man auch auf leichtere Vertreter dieser Rasse, die auch in der Freizeit gute Dienste erbringen sollen. Breit und bemuskelt sind beim typischen Rheinischen Kaltblut
vor allem die Hinterhand, die Brust, die Schultern sowie der Hals. In einem merklichen Kontrast zu diesen starken Körperteilen steht der Kopf des Rheinischen Kaltblutes: Er fällt recht klein aus, das Gesicht des Rheinischen Kaltblutes wird in aller Regel allerdings als ausgesprochen attraktiv empfunden, was nicht zuletzt an den schönen Augen liegt. In Bezug auf die Färbung ist bei dieser Kaltblutrasse Abwechslung garantiert. Es gibt Füchse, Braune, Rappen sowie diverse Schimmel aus diesen Farbschlägen. Rappen sind dabei allerdings recht selten. Auffällig am Rheinischen Kaltblut ist auch das Haar und der Behang. So fällt zum Beispiel die Doppelmähne recht kräftig aus und ist somit optisch sehr attraktiv. Auch ein typisches Kaltblutmerkmal, das viele der schweren Pferderassen aufweisen, darf aber beim Rheinischen Kaltblut nicht fehlen. Die Rede ist hier von dem Kötenbehang, dessen Ausprägung allerdings von Rheinischem Kaltblut zu Rheinischem Kaltblut variieren kann.

Charaktermerkmale des Rheinischen Kaltblutes

Dass das Rheinische Kaltblut heutzutage derart gefährdet ist, liegt auf keinen Fall an seinen Charaktereigenschaften. Ganz im Gegenteil präsentiert sich das Rheinische Kaltblut als ausgesprochen arbeitswillig und gleichzeitig genügsam. Den Arbeitswillen stellt das Rheinische Kaltblut dabei vor allem durch seine Ausdauer und die Tatsache unter Beweis, dass es sich gut vom Menschen führen und anleiten lässt. Dabei zeigt es sich auch in herausfordernden Situationen von einer ruhigen Seite. Genügsam ist das Rheinische Kaltblut in erster Linie, da es ein guter Futterverwerter ist, der mit relativ wenig Futter auskommt. Auch die Robustheit des Rheinischen Kaltblutes spricht allerdings für seine Bescheidenheit.

Wie werden Rheinische Kaltblüter verwendet?

Vom typischen Schicksal, das viele Kaltblutrassen im Zuge der Technisierung ereilt hat, blieb auch das Rheinische Kaltblut nicht verschont. Man könnte sogar sagen, dass das Rheinische Kaltblut besonders schwer getroffen wurde, da es heute wie oben schon beschrieben vom Aussterben bedroht ist. In den 1970er Jahren des letzten Jahrhunderts erschien es sogar wahrscheinlicher, dass diese Rasse endgültig verloren geht, als dass sie es noch einmal schaffen würde, sich wenigstens etwas zu erholen. In früheren Zeiten war das Rheinische Kaltblut aufgrund seines starken, massigen Körpers und seines ausgeglichenen Charakters ein begehrtes Arbeitspferd. Den Bauern kam es dabei nur gelegen, dass diese Kaltblutrasse sich von einer sehr genügsamen Seite zeigte. Später benötigte man keine Arbeitspferde mehr, da Maschinen, die oftmals natürlich noch robuster, effizienter und zuverlässiger sind, viele Aufgaben der Tiere übernahmen. Trifft man heute noch auf ein Rheinisches Kaltblut, ist der Besitzer mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Liebhaber dieser Rasse, der verhindern möchte, dass diese schöne Kaltblutrasse gänzlich verschwindet. Verwendet wird das Rheinische Kaltblut dabei nur noch sehr selten in landwirtschaftlichen Kontexten. Es repräsentiert heute vielmehr und eignet sich dabei als Kutsch-, Fahr- und als Reitpferd. Letzteres trifft vor allem dann zu, wenn es sich um ein Rheinisches Kaltblut von leichterer Statur handelt.