Einen Moment bitte! Handelt es sich bei einem Poitevin nicht eigentlich um einen Hund? Ja und Nein – lautet hier die zunächst wenig zufriedenstellende Antwort. Richtig ist, dass es durchaus eine Jagdhunderasse gibt, die Poitevin genannt wird. Vertreter dieser Hunderasse erinnern optisch ein wenig an den English Foxhound. Es existiert allerdings zusätzlich auch eine nicht allzu bekannte Kaltblutpferderasse, die den Namen Poitevin trägt. Und ausschließlich um diese soll es hier gehen! Also – lösen wir uns von dem recht kleinen Hund namens Poitevin und widmen wir uns dem im Vergleich riesengroßen Pferd Poitevin. Dessen Geschichte ist auf das Engste mit der Maultierzucht verbunden. Zudem gibt es Spannendes über das Aussehen, den Charakter und die Verwendung des Poitevins zu berichten!

Geschichte mit Verbindung zur Maultierzucht

Maultiere und Kaltblutpferde haben eines gemein: Sie sind wahre Arbeitstiere und haben dem Menschen viele Jahrhunderte lang das Leben zumindest ein wenig leichter gemacht. Aber wie entsteht ein Maultier überhaupt? Einfach einen Esel mit einem Pferd kreuzen? Ganz so einfach ist es dann doch nicht – alleine schon, da der Begriff Maultier sehr exakt definiert ist. Um ein Maultier zu züchten, bedarf es laut Definition eines männlichen Esels und eines weiblichen Pferdes.

Warum die Maultierzucht an dieser Stelle überhaupt angesprochen wird? Ganz einfach: Das Poitevin wurde gerne zur Maultierzucht eingesetzt. Bei dieser Zucht spielten dann auch männliche Poitou-Esel, Vertreter der Großesel, eine Rolle. Sie sind allerdings nicht nur aufgrund ihrer Größe auffällig, sondern auch aufgrund ihres oftmals langen Felles. Ein Maultier, das aus der Liaison einer Poitevin-Stute und eines Poitou-Esels entsteht, gilt dabei als sehr kräftig. Nun aber genug zum Thema Maultierzucht. Widmen wir uns lieber noch kurz der Frage, wie das Poitevin selbst überhaupt entstanden ist. Hier haben offenbar viele unterschiedliche Kaltblutrassen mitgespielt, die aus anderen europäischen Ländern nach Frankreich gebracht wurden und sich dort auch noch mit den ansässigen Pferderassen kreuzten. Welches Aussehen das Poitevin hierdurch erlangte, erläutern wir im Groben im nächsten Abschnitt.

Äußeres Erscheinungsbild des Poitevins

Was das Aussehen von Vertretern der Rasse Poitevin betrifft, hört und liest man nicht selten recht unterschiedliche Einschätzungen. Die einen empfinden die Tiere, welche dieser Kaltblutrasse zuzuordnen sind, als ausgesprochen hübsch. Andere wiederum wissen über das Aussehen des Poitevins eher nur Unschmeichelhaftes zu sagen. Manchmal geht Letzteres sogar so weit, dass man sich schon fast genötigt fühlen könnte, unbedingt Partei für das Poitevin einzunehmen und es gegen diese Aussagen zu verteidigen. Schließlich ist auch das für ein Poitevin typische Aussehen nicht zuletzt von uns Menschen beeinflusst und das Aussehen rückt spätestens dann sowieso in den Hintergrund, wenn es sich wie beim Poitevin um eine vom Aussterben bedrohte Rasse handelt.

Aber gehen wir doch einfach mal auf ein optisches Merkmal ein, das dazu beitragen könnte, dass die Optik des Poitevin mal so und mal so eingeschätzt wird. Hierzu könnte unter anderem zählen, dass bei dieser Rasse mitunter eine nach außen gewölbte Nase oder gar ein insgesamt nach außen gewölbter Kopf vorzufinden ist. Der Fachbegriff, mit dem dieses optische Merkmal beschrieben wird, lautet etwas unschmeichelhaft Ramskopf. Ein solcher kommt allerdings auch bei manch einem anderen Kaltblut vor und ist kein Alleinstellungsmerkmal der benannten Rasse. Beim Poitevin (und sicher auch bei manchen anderen Rassen) könnten zum Ramskopf mitunter eine nicht gerade geringe Größe des Kopfes und dadurch auch manchmal etwas klein wirkende Augen hinzukommen. Dies mag auf manch einen Betrachter nicht ganz so hübsch wirken. Andere könnten das Poitevin aber gerade deshalb durchaus auch als Charakterkopf schätzen. Auch beim Poitevin liegt die Schönheit also immer im Auge des Betrachters. Grundsätzlich ist somit auch das Poitevin eine Kaltblutrasse, die sicherlich viele Freunde hat.

Letztere schätzen möglicherweise den Umstand, dass sich die Rasse Poitevin in Sachen Fellfarbe von ihrer recht vielfältigen Seite zeigt – eigentlich kann ein Poitevin jede für ein Pferd typische Farbe aufweisen. Lediglich gescheckte Poitevins wird man wohl ohne jegliche Erfolgschancen suchen. Da in Sachen Fellfarbe keine Einheitlichkeit beim Poitevin zu bestehen scheint, fehlt ihm in dieser Hinsicht aber auch gewissermaßen ein Markenzeichen, wie es zum Beispiel das Schwarzwälder Kaltblut aufweist, welches sich oftmals als Fuchs mit heller Mähne präsentiert.

Obwohl das Poitevin natürlich durchaus stattlich ist und unter anderem auch sehr kräftige Beine aufweist, gehört es nicht zu den größten und schwersten Kaltblütern. Dies sowie der dichte Behang an den Hufen, der dem Poitevin zu einem ursprünglichen Aussehen verhilft, mag manch einem Freund dieser Rasse durchaus ansprechen.

Charakter

Wer sich für das Poitevin begeistert, wird mit Sicherheit die Sanftheit und Ausgeglichenheit dieser Rasse betonen. Manche Eigenschaften, die dem Poitevin gerne überdies zugeschrieben werden, können übrigens auch aus zwei Blickwinkeln betrachtet werden: Was auf den ersten Blick dann zum Beispiel (ungerechtfertigterweise) als mangelnde Klugheit wahrgenommen werden könnte, könnte auch einfach als ein Zeichen für einen gewissen und durchaus charmanten Eigensinn gedeutet werden. Letztere Interpretation, mit einem Augenzwinkern gedacht, ist auf jeden Fall um einiges attraktiver und wird dem Poitevin sicherlich eher gerecht, wenn man überhaupt irgendein Haar in der Suppe finden möchte. Vielleicht erliegen wir Menschen bei dieser Ansicht aber auch einfach einem gedanklichen Automatismus, der sich sofort einstellt, wenn wir den Begriff „Esel“ auch nur entfernt im Hinterkopf haben. Von all dem einmal abgesehen, gibt es eine schöne Nachricht zu verkünden, die Halter eines Poitevins sicherlich viel wichtiger ist: Das Poitevin weist in der Regel eine durchaus hohe Lebenserwartung auf, sodass man sich mit etwas Glück lange eines guten Freundes sicher sein kann.

Verwendung – die Maultierzucht ist nur eine Facette

Dass das Poitevin zur Maultierzucht verwendet wurde, fand schon weiter oben Erwähnung. Diese Art der Verwendung ist eine echte kleine Besonderheit und wer die Chance hat, einmal ein Poitevin, einen Poitou-Esel und das Ergebnis dieser Kreuzung anzuschauen, sollte sich diese nicht entgehen lassen. Aber warum wurden Maultiere überhaupt benötigt und gezüchtet? Hier liegt natürlich der Verdacht nahe, dass sich der Mensch wieder einmal das Beste aus zwei Welten gewünscht hat. Vor dem Hintergrund, dass Maultiere Arbeitstiere sind, könnte dies dann zum einen etwa das sichere Laufen eines Esels auch auf schwierigem Untergrund und zum anderen die Stärke eines Kaltblutes wie dem Poitevin sein. Neben der Maultierzucht hat das Poitevin natürlich auch noch weitere Daseinsberechtigungen. Es fand und findet dabei im Grunde in allen Bereichen, bei denen typischerweise Kaltblutpferde eine Rolle spielen, Verwendung – sei es leider im Rahmen der Fleischgewinnung oder aber auch in deutlich schöneren Kontexten wie etwa dem Reit- und Kutschsport.