Der Percheron gehört neben dem Shire Horse und einigen anderen Kaltblutrassen zu den auffälligsten Kaltblütern. Diese Auffälligkeit resultiert im Vergleich zum Shire Horse, dem größten Pferd der Welt, zwar nicht primär aus einem gigantischen Stockmaß (obwohl auch in dieser Hinsicht viel vom Percheron zu erwarten ist), dennoch aus ebenfalls optischen Aspekten.

percheron

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Hinzu kommt, dass der Percheron auf eine lange Geschichte zurückblicken kann, in der er unterschiedlichste Aufgaben zur vollen Zufriedenheit der Menschen erfüllte. Hat man noch nie von dieser Kaltblutrasse gehört, sorgt sicherlich der Name Percheron für Aufklärungsbedarf. Benannt wurden die Vertreter dieser Rasse nach einer Landschaft, die sich im Norden Frankreichs erstreckt und die sich als hügeliges Land präsentiert: Le Perche. Das heute noch immer agrarisch geprägte Gebiet war früher für die Pferdezucht bekannt, sodass die hier entstandene Kaltblutrasse einfach nach dem Gebiet benannt wurde und somit den gleichen Namen trägt wie die Einwohner dieses Landstriches. Im Folgenden stellen wir Ihnen die auffällige Kaltblutrasse ein wenig genauer vor, wobei wir auch auf die Zuchtgeschichte, auf besondere optische und charakterliche Merkmale sowie auf die Verwendbarkeit des Percherons eingehen werden.

Wie der Percheron entstand

Dass der Percheron sich uns in seiner heutigen Gestalt präsentieren kann, ist auch ein Resultat politischer und kriegerischer Ereignisse, die Jahrhunderte zurückliegen. Durch Ereignisse dieser Art wurde es erst ermöglicht, dass Pferde nach Le Perche gelangen konnten, die orientalisches Blut aufwiesen. Diese Pferde wurden immer wieder im Verlauf der Geschichte mit einheimischen Pferden gekreuzt. Bei der Herausbildung des Percherons, wie wir ihn als mitunter recht schweren Kaltblüter kennen, haben aber natürlich auch Kaltblutrassen eine Rolle gespielt. Sie konnten ihren Einfluss vor allem im 19. Jahrhundert entfalten. Zu dieser Zeit waren schwere und starke Pferde besonders gefragt, da sie wichtige Dienste für die Landwirtschaft und den Transport verrichten konnten. Bemerkenswert bleibt aber ohne Frage, dass eine Kaltblutrasse orientalische und iberische Einflüsse verzeichnen konnte und diese in einem gewissen Maße heute noch erkennbar sind. Zusammen mit den charakterlichen Merkmalen und der Anpassungsfähigkeit der Tiere ist eine begehrte Pferderasse entstanden, die schon im 19. Jahrhundert zu einem Exportschlager wurde. Sogar in den USA und in vielen anderen sehr weit entfernten Staaten wurde der Percheron zu einem sehr beliebten Pferd. Leider ging dieser Trend aber auch auf Kosten des Percheron-Schlages, der sich weniger massig präsentierte und deutlich von Warmblütern geprägt war. Auch heute gibt es zwar noch unterschiedliche Percheron-Schläge, diese sind aber oft entweder ebenfalls sehr selten geworden oder aber Resultate modernerer Zuchtbemühungen, bei denen nicht mehr auf den ursprünglich leichteren Schlag zurückgegriffen werden konnte. Durch den Umstand, dass der Percheron auch als Schlachttier genutzt wird, ist die Tendenz zu übermäßig breiten Exemplaren, die eine satte Fleischausbeute versprechen, zusätzlich hinzugekommen. Grundsätzlich gibt es aber unter anderem immer noch die Unterscheidung zwischen einem edlen, leichteren, größeren und
sportlicheren Percheron und einem Grundtyp, der sich als kräftiges Zugpferd präsentiert. Daneben gibt es noch einige Untertypen dieser Pferderasse.

Optische Merkmale

Da es, wie oben angedeutet, unterschiedliche Schläge des Percherons gibt, kann eine Beschreibung der optischen Merkmale natürlich nur verallgemeinernd gegeben werden. So wie wir dem Percheron heutzutage oft begegnen, zeigt er einen stämmigen Körper mit starken, kurzen Beinen, tiefer Brust und einem kurzen mit Muskeln bepackten Rücken. Während diese Merkmale noch relativ kaltbluttypisch sind, fallen die Schultern bei dieser Pferderasse allerdings auffällig aus: Sie sind recht schräg und lang, was den Pferden zu einem auffällig geschmeidigen Trab verhilft, der wunderschön anzusehen ist. Es ist anzunehmen, dass die Schultern des Percherons ein Überbleibsel des orientalischen Einflusses sind. Ähnliches gilt sicherlich auch für den Kopf: Er wirkt für ein Kaltblut, obwohl er recht groß ausfällt, ausgesprochen edel und die Pferde gewinnen durch ihre aufmerksamen und klugen Augen ungemein an Ausdruck. Das Langhaar fällt bei einem Percheron zwar in der Regel dicht aus, es ist aber recht fein in seiner Struktur. Der Kötenbehang, den man oft mit Kaltblütern in Verbindung bringt, ist bei diesen Pferden nicht sehr stark ausgeprägt, sodass die Tiere in dieser Hinsicht oft leichter zu pflegen sind als andere Kaltblüter.

Obwohl der Percheron durch den deutlich erkennbaren orientalischen Einfluss mitunter eleganter und ausdrucksstärker wirkt als manch eine andere Kaltblutrasse, ist er weder klein noch leicht. Das durchschnittliche Stockmaß liegt bei dieser Pferderasse leicht über der 165-Zentimeter-Marke. Es gibt aber auch Vertreter dieser Rasse, die es locker auf ein Stockmaß von über 180 Zentimetern bringen. Auch in Hinblick auf das Gewicht ist für Varianz gesorgt: Der durchschnittliche Percheron liegt in der Regel nur knapp unter der 1000-Kilogramm-Grenze, sehr leichte Exemplare können aber auch nur 500 Kilogramm und sehr schwere und große Tiere auch schnell weit über 1000 Kilogramm wiegen. Wie an diesen Zahlen bereits deutlich wird, ist der Percheron mitunter auch ein Anwärter auf Rekorde. Zwar gilt heute das Shire Horse als die Pferderasse, welche die größten Vertreter hervorbringt. Das größte Pferd, das jemals gelebt und von Menschen beschrieben worden ist, soll allerdings – so wird es oft gesagt – ein Percheron-Hengst sein, der Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA gezüchtet werden konnte. Da diesem Pferd mit Namen Dr. Le Gear aber ein Stockmaß von 213 Zentimetern zugeschrieben wird, dem Shire Horse Wallach Sampson, der Mitte des 19. Jahrhunderts lebte, allerdings ein Stockmaß von 219 Zentimetern, darf man diese Aussage etwas bezweifeln. Zudem kommen natürlich auch noch aktuelle Rekorde hinzu, die es mit diesen Dimensionen allerdings nicht ganz aufzunehmen scheinen.
In Bezug auf die Färbung des Percherons ist eine Variante in unseren Breiten klar dominant: Viele Percherons sind Schimmel. Die Schimmelfärbung ist dabei wahrscheinlich ein Relikt vom Anfang des 19. Jahrhunderts, als ein Araber-Schimmel verwendet wurde, um die Rasse zu veredeln. Natürlich gibt es aber auch Braune und Rappen. Diese sind heutzutage vor allem in den USA häufiger als in Europa, da die Amerikaner, als sie in der Mitte des 19. Jahrhunderts begannen, viele Percherons zu importieren, dazu neigten, dunkle Pferde zu bevorzugen.

Charakterliche Merkmale

Wie man schon anhand des optischen Erscheinungsbildes des Percherons vermuten kann, vereint diese Pferderasse auch charakterlich typische Kaltbluteigenschaften mit einem Spritzer orientalischen und iberischen Einflusses. Zu den Eigenschaften, die als typisch für ein Kaltblut angesehen werden können, zählt ohne Frage, dass der Percheron sich in der Regel von einer ausgeglichenen, gutmütigen und arbeitswilligen Seite zeigt. Dass er manchmal aber auch eine Spur heißblütiges Temperament an den Tag legt, wird unter anderem dem Tropfen Araberblut zugeschrieben, das noch heute in seinen Adern fließt. Der Percheron wird hierdurch aber keineswegs zu einem Problemfall, vielmehr wird das mitunter lebhafte Temperament von seinen Haltern oftmals besonders geschätzt. Natürlich ist der Percheron dabei gleichzeitig auch sehr intelligent und besitzt das Potenzial, viel zu lernen, wobei er aber auch auf einen Halter treffen muss, der sich seines Charakters annimmt und weiß, wie er sein Pferd handzuhaben hat.

Verwendung in Vergangenheit und Gegenwart

Wie schon die oben kurz umrissene Zuchtgeschichte ansatzweise verdeutlicht, hat der Percheron in seiner Geschichte sehr viel erlebt. Anfangs diente er dem Militär, später mehr und mehr als schweres Zugpferd in der Landwirtschaft. Heute wird der Percheron im landwirtschaftlichen Bereich nur noch selten eingesetzt, da Maschinen seine Arbeit in vielen Kontexten zuverlässig übernommen haben. Fast nur, wenn es auf eine besondere Schonung des Bodens oder um unzugängliche Ländereien geht, sind Kaltblüter wie der Percheron heute noch in der Landwirtschaft präsent, werden dann aber auch besonders geschätzt. Im Militär ist er natürlich erst recht nicht mehr gefragt. Trotzdem gilt der Percheron heutzutage nach unserem Wissen nicht, wie manch eine andere Kaltblutrasse, als gefährdet. Dies ist das Ergebnis von mindestens zwei wichtigen Wendungen in der Geschichte. Zum einen war der Percheron im 19. Jahrhundert ein echter Exportschlager, sodass sich die Pferde in vielen Ländern einen sicheren Stellenwert erobern konnten. Vor allem die USA und Japan sind als Staaten bekannt, die den Percheron lieben und ihn auch in hohen Qualitäten züchten. In Europa selbst kam dem Percheron dieser Respekt nicht immer dauerhaft zu: Die Franzosen züchteten diese Pferderasse später auch, um Fleisch zu gewinnen, sodass sie mitunter andere Zuchtziele entwickelten, die dem edlen Ursprung der Pferderasse nicht immer gerecht wurden. Dennoch konnte durch die Zucht zum Zwecke des Fleischgewinns zumindest verhindert werden, dass die Pferderasse ausstirbt.

Geht es um die moderne Verwendung des Percherons, steht fest, dass sich diese Pferde immer noch hervorragend eignen, um Kutschen zu ziehen. Der Trend, Kaltblutpferde auch mehr und mehr im Freizeitbereich zum Reiten zu halten und zu nutzen, ging aber auch an dieser Rasse nicht spurlos vorbei. Dies wäre auch eine Schande gewesen, da sich der Percheron gerade wegen seiner edlen Gänge, seiner sonstigen Eigenschaften und seiner historischen Verwendung als Reitpferd bestens eignet. Mittlerweile gilt diese Pferderasse sogar als verwendbar für die Dressur und für das Springreiten, wobei in diesen Bereichen sicherlich den leichteren Schlägen des Percherons der Vorzug zu gewähren ist. Somit ist der Percheron ohne Frage ein Kaltblut, das voller Überraschungen steckt und ein Potenzial mitbringt, auch in Zukunft noch lange beliebt und gefragt zu sein.