Noriker stellen eine Kaltblutrasse dar, die sich großer Beliebtheit und Bekanntheit in Süddeutschland und Österreich erfreut. Um den doch etwas außergewöhnlichen Namen dieser Pferderasse ergründen zu können, sind Lateinkenntnisse sowie historisches Wissen gefragt. Der Name Noriker leitet sich von Noricum ab. Noricum wiederum ist ein Gebiet, das schon vor Christi Geburt Teil des römischen Imperiums war und nur wenige Jahre später zur römischen Provinz wurde.

noriker

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Auch Deutschland, so wie wir es heute kennen, hatte Anteil an Noricum: Das Chiemgau sowie der Südosten Bayerns zählten zu dieser Provinz. Noricum war allerdings noch sehr viel größer und erstreckte sich auch auf Gebiete des heutigen Österreichs – betroffen waren zum Beispiel Salzburg, Kärnten und die Steiermark, um nur beispeilhaft zu verdeutlichen, wie weit sich die Provinz erstreckte. Salzburg soll an dieser Stelle nicht umsonst erwähnt bleiben: Hier ist nach wie vor das Hauptzuchtgebiet der Noriker vorzufinden. In Süddeutschland und Österreich sind die Noriker noch immer relativ weit verbreitet, über die Grenzen dieser Gebiete hinaus, trifft man diese besonderen Kaltblüter allerdings nur selten an. Im Folgenden möchten wir darstellen, was es Wissenswertes über die Geschichte der Noriker zu berichten gibt, wie diese Kaltblutpferderasse sich optisch und charakterlich präsentiert und wie sie früher genutzt wurde und heutzutage genutzt wird.

Zuchtgeschichte

Pferde haben sogar in der etwas unwirtlichen Alpenregion eine lange Tradition, die weit vor Christi Geburt ihren nachvollziehbaren Beginn nimmt. Vor allem aber in der Zeit, in der Noricum als römische Provinz entstand, sowie im späteren Mittelalter war ein erhöhter Bedarf an Pferden in den Alpen gegeben. Sie wurden als Packpferde genutzt und mussten dabei den spezifischen Erfordernissen der Gebirgsregionen gut angepasst sein. Diesen Anspruch erfüllt der Noriker geradezu in Perfektion: Er zeichnet sich auch heute noch durch seine Trittsicherheit aus und ist als mittelschweres Pferd auch für unzugänglichere Gebiete geeignet. Es ist anzunehmen, dass bei der Entstehung der Noriker die Pferde, welche von den Römern mitgebracht wurden, eine Rolle spielten. Sie wurden mit den bereits einheimischen Pferden gekreuzt, um einen neuen Typus zu begründen. Es gab später aber auch weitere Zuchtbemühungen, welche den Noriker veredeln sollten und bei denen sich die Österreicher importierter Spanischer und Neapolitanischer Pferde sowie vieler anderer Pferderassen bedienten. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde dann die Reinzucht der Noriker erklärtes Ziel.

Historisches spielt auch dann eine Rolle, wenn man sich vor Augen führt, dass sich beim Noriker fünf Hengstlinien herausbilden konnten. Vier dieser fünf Linien (Vulkan-, Diamant-, Elmar-, Schaunitz-Linie) gehen auf Hengste zurück, die im 19. Jahrhundert geboren wurden bzw. zum Teil auch auf spätere Nachkommen dieser Hengste. Nur die Nero-Linie ist dem Beginn des 20. Jahrhunderts zuzuordnen, wobei hier erst in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts ein Hengst hervorgebracht werden konnte, der zukünftig als Ideal für diese Linie angesehen wurde. Den einzelnen Linien lassen sich bestimmte optische und charakterliche Merkmale zuordnen. Die meisten Noriker gehören heutzutage nach wie vor der Vulkan-Linie an, die schwere Arbeitspferde hervorbringt. In nur sehr geringen Zahlen sind hingegen Tiere vorhanden, die auf die Elmar-Linie zurückgehen und die hierfür berühmte Tigerfärbung zeigen.

Aussehen der Noriker

Selbstverständlich ist auch der Noriker, wie es sich für ein Kaltblut gehört, eine imposante Erscheinung. Mit einem Stockmaß von bis zu 165 Zentimetern ist er allerdings kein Riese, was sich auch auf sein Gewicht auswirkt, das bei ca. 800 Kilogramm bei einem Hengst liegt. Beide Faktoren – mittlere Größe und mittleres Gewicht – sind mitverantwortlich dafür, dass der Noriker ein wendiges Pferd ist, das sich an seinen bergigen Lebensraum gut angepasst hat. Die Beine des Norikers sind kräftig – ebenso wie seine mächtige und breite Brust, sein mit vielen Muskeln bepackter Hals und sein Kopf. Ein sehr spannendes Terrain betritt man im Übrigen, wenn man sich mit der Farbgebung der Noriker auseinandersetzt. Grundsätzlich kommen fast alle Farben vor, was sehr viel Abwechslung verspricht. Besondere Aufmerksamkeit ziehen allerdings in der Regel die Noriker auf sich, die eine besondere Musterung aufweisen können. Hierzu zählen zum Beispiel die Tobianos, welche Flecken zeigen, die sehr deutlich umgrenzt sind. Auffällig und etwas Besonderes sind aber vor allem Noriker mit Tigerscheckung. Hier lassen sich auf weißem Grund farbige Flecken finden, was vielen Pferden der Rasse eine besondere Attraktivität verleiht und sie zu Objekten der Begierde vieler Noriker-Fans macht. Interessant sind unter den Norikern aber ohne Frage auch die Blauschimmel mit schwarzem Kopf. Wie aus diesen ersten Erläuterungen bereits hervorgeht, ist in Sachen Farbgebung bei den Norikern viel möglich. Hier ergibt sich ein spannendes Experimentierfeld für Züchter.

Charaktereigenschaften der Noriker

Noriker zeigen sich von einer gutmütigen Seite – ein unbedingtes Muss für ein Arbeitspferd, das Gehorsam und Leichtführigkeit unter Beweis stellen muss. Charakterliche Kapriolen sind dem Noriker fremd, vielmehr zeigt er sich in Bezug auf seine Haltung relativ anspruchslos – natürlich nur soweit man bei der Pferdehaltung überhaupt von „anspruchslos“ sprechen kann. Dennoch ist er zur Leistung bereit, kann vieles erlernen und sich ausdauernd zeigen. Er ist somit als Arbeitspferd hilfreich und gut auszubilden, als Freizeitpferd angenehm handzuhaben, ohne lethargisch zu wirken. Zudem zeigt sich der Noriker in der Regel sehr widerstandsfähig. Diese Eigenschaft ist mit Sicherheit darauf zurückzuführen, dass das Leben in der Alpenregion mit Toleranz für stark wechselnde Temperaturen und für Höhenluft einhergehen muss.

Verwendung des Norikers in früheren Zeiten und heute

Wie bereits weiter oben dargestellt werden konnte, ist der Noriker ohne Frage bestens an sein traditionelles Lebensumfeld in den Alpen angepasst. Hier verrichtete er lange Zeit seine Dienste als Pack- und als Zugpferd, wobei die Menschen von seiner Trittsicherheit und seinem angenehmen Charakter profitierten. Auch in den Gebirgen machten sich aber langsam und sicher die modernen Zeiten bemerkbar: Maschinen leisteten auch hier in vielen Bereichen neue Dienste und Arbeitstiere wurden, wenn auch nicht vollständig überflüssig, so doch zumindest weniger notwendig. Trotzdem wird der Noriker auch heute noch gerne ab und an als Arbeitspferd genutzt – etwa in der Waldwirtschaft, wo er beim Holzrücken behilflich sein kann. Oft kommen hier aber echte Arbeit und Freizeit zusammen: Es gibt sogar Holzrückewettbewerbe, bei denen Noriker und andere Kaltblüter ihr Können unterhaltsam zur Schau stellen können. Zwar gab es im 20. Jahrhundert auch schon Zeiten, in denen die Bestände der Noriker in Österreich bedeutend zurückgingen. Diese Zeiten scheinen allerdings überwunden zu sein: Dem Noriker ist auch das Kunststück gelungen, sich vom Arbeitspferd zum beliebten Freizeitpferd zu wandeln. Dies liegt mit Sicherheit auch daran, dass der Noriker kein Riese unter den Kaltblütern ist, er sich optisch sehr attraktiv und charakterlich sehr angenehm zeigt. Dies prädestiniert ihn geradewegs dazu, zum Beispiel als Kutschpferd Verwendung zu finden und bei der Brauchtumspflege als Symbol zu gelten. Der Noriker ist aber auch als Reitpferd sehr gut geeignet. Mit ihm kann man auch in unwirtlichem Gelände lange Wanderritte unternehmen, da er seine traditionelle Trittsicherheit bis heute nicht verloren hat. Ab und an wird der Noriker im Übrigen auch als Schlachttier genutzt, was Fans dieser Rasse selbstverständlich nicht gerne sehen – zumal häufig bereits Fohlen, die für die Zucht als nicht geeignet eingestuft wurden, der Schlachtung zugeführt werden.