Mecklenburg-Vorpommern ist ein Bundesland, das sehr stark agrarisch geprägt ist. Dies war in früheren Zeiten noch stärker der Fall, sodass es nicht verwundert, dass die Region Mecklenburg auch einen Bedarf an leistungsfähigen Arbeitspferden hatte, die Unterstützung bei der Arbeit in der Landwirtschaft versprachen. Da Stärke und Masse bei Arbeitstieren gefragt war, kamen selbstverständlich nur Kaltblüter infrage, sodass im Laufe der Zeit die eigenständige Rasse des Mecklenburger Kaltblutes begründet werden konnte. Das Mecklenburger Kaltblut verdeutlicht allerdings den Umstand, dass Arbeitspferde im Laufe des 20. Jahrhunderts immer mehr an Bedeutung verloren, auf eine nahezu tragische Art und Weise. Heute gilt es als stark gefährdet. Im Folgenden erfahren Sie mehr über die Zuchtgeschichte des Mecklenburger Kaltblutes, über sein Aussehen, seinen Charakter und seine Verwendung.

Zuchtgeschichte des Mecklenburger Kaltblutes

Der Bedarf an starken und schweren Arbeitspferden war in Mecklenburg bereits im 19. Jahrhundert gegeben. Zunächst versuchte man unter anderem diesen Bedarf zu decken, indem man Kaltblüter aus anderen Ländern importierte, um eine eigene Zucht des gewünschten Typus beginnen zu können. Dabei orientierte man sich zum Beispiel nach Schottland, wo das Clydesdale ursprünglich entstanden ist, nach Ostengland, Hauptzuchtgebiet des Suffolk Punch, oder nach Dänemark und Schleswig. Der Schleswiger, der also auch eine Rolle bei der anfänglichen Kaltblutzucht in Mecklenburg gespielt zu haben scheint, ist heute im Übrigen ebenfalls vom Aussterben bedroht. Die Zucht des Mecklenburger Kaltblutes kam allerdings erst so recht in Schwung, nachdem man sich am Rheinisch-Deutschen Kaltblut orientierte. Heutzutage wird das Mecklenburger Kaltblut auch einfach als ein Schlag des Rheinisch-Deutschen Kaltblutes betrachtet. Das Rheinisch-Deutsche Kaltblut teilt dabei das Schicksal des Mecklenburger Kaltblutes und des Schleswigers und gilt somit heute ebenfalls als vom Aussterben bedroht.

Aussehen und Charakter des Mecklenburger Kaltblutes

Das Mecklenburger Kaltblut zählt mit seinen um die 800 Kilogramm nicht zu den schwersten Kaltblütern. Dementsprechend fällt auch das Stockmaß, das maximal erreicht werden kann, aus. Dieses liegt in etwa bei 165 Zentimetern. Obwohl natürlich auch das Mecklenburger Kaltblut eine ausgeprägte Bemuskelung aufweist, wirkt das Gesamtbild dieses Pferdes sehr harmonisch. Selbst der Kopf fällt nicht zu grob aus und verleiht den Tieren einen hübschen und aufgeweckten Ausdruck. Hinsichtlich der Färbung herrscht Varianz vor: Häufig sind aber ohne Frage Braune. Ist nur die Rede vom „Mecklenburger“, darf man nicht den Fehler begehen, das Mecklenburger Kaltblut mit dem Mecklenburger Warmblut zu verwechseln. Dies ist aufgrund der selbstverständlich stark unterschiedlichen Optik eigentlich auch gar nicht möglich, lediglich der Begriff „Mecklenburger“ könnte anfangs für Verwirrung sorgen. Das Mecklenburger Warmblut ist selbstverständlich sehr viel weniger massiv gebaut und sieht aufgrund seiner Zuchtgeschichte dem Hannoveraner mitunter sehr ähnlich, auch wenn es in Hinblick auf Größe und Körperformung leichte Unterschiede geben mag.

Nun aber zurück zum Mecklenburger Kaltblut. Sein Charakter ist typisch für ein Kaltblut. Es gilt als arbeitsbereit und gut handzuhaben. Obwohl es wie alle Kaltblüter eine gewisse Ruhe ausstrahlt, ist es nicht lethargisch oder gar phlegmatisch.

Verwendung des Mecklenburger Kaltblutes

Das Mecklenburger Kaltblut wurde ohne Frage zum Arbeiten gezüchtet und kam dieser Arbeit in Mecklenburg auch lange ideal nach. Da sich die Zeiten allerdings gewandelt haben und Arbeitstiere mehr oder weniger in der Landwirtschaft überflüssig geworden sind, verlor auch das Mecklenburger Kaltblut an Bedeutung. Seinen Arbeitswillen kann das Kaltblut heute in der Regel nur noch bei repräsentativen Aufgaben zeigen, etwa wenn es Kutschen zieht. Obwohl es in den letzten Jahren wieder einen Trend zum Kaltblut gibt, der auch darauf fußt, dass diese Tiere in der Regel einen wunderbar ausgeglichenen Charakter besitzen, scheint das Mecklenburger Kaltblut weiterhin einen Dornröschenschlaf zu schlafen. Dass das Interesse an Kaltblütern und ihren Fähigkeiten in Mecklenburg-Vorpommern allerdings immer noch besteht, stellt unter anderem das Mecklenburger Kaltbluttreffen unter Beweis, das 2013 zum 11. Mal durchgeführt wurde. Hier gab es laut Programm allerhand Spektakuläres zu beobachten – angefangen vom Pferdefußball über Holzrückewettbewerbe bis hin zum Hindernisfahren. Bleibt zu hoffen, dass Veranstaltungen dieser Art die Begeisterung für Kaltblüter weiter steigern und in diesem Zuge auch das Mecklenburger Kaltblut dauerhaft erhalten bleibt.