Das Clydesdale ist ein echter Schotte. Dieses optisch und charakterlich äußerst attraktive Kaltblut verdankt seinen Namen dem schottischen Fluss Clyde, der nicht nur in den Top 3 der längsten schottischen Flüsse mitspielen kann, sondern auch dadurch bekannt ist, dass die größte schottische Stadt – Glasgow – an seinen Ufern liegt.

Clydesdales

Foto: By Bev Sykes from Davis, CA, USA (Flickr) [CC-BY-2.0], via Wikimedia Commons

Wie alle Kaltblutpferde wurde auch das Clydesdale gezüchtet, um schwere Arbeiten zu verrichten. Dieses erledigt das Clydesdale aber mit einer solchen Anmut, dass es für Kenner von vielen anderen Kaltblutrassen schnell zu unterscheiden ist. Im Folgenden erfahren Sie mehr über die Zuchtgeschichte dieses Kaltblutes, über sein optisches Erscheinungsbild, seinen Charakter und seine traditionelle sowie moderne Verwendung.

Abstammung und Zucht

Im Vergleich zu manch einer anderen Pferderasse – Beispiel Ardenner – ist das Clydesdale eher eine mittelalte Rasse. Zwar wird ab und an davon ausgegangen, dass die Geschichte des Clydesdale schon im letzten Drittel des Mittelalters begann, die richtige und nachvollziehbare Zuchtgeschichte beginnt allerdings erst im 18. Jahrhundert. Zu einer Zeit also, in der Pferde, die auch schwere Arbeiten verrichten konnten, mehr und mehr gefragt waren. Um ein solches schweres und starkes Pferd herausbilden zu können, mussten die in der Region bereits vorkommenden Pferde mit größeren verpaart werden. Anzunehmen ist dabei zum Beispiel, dass belgische und englische Pferderassen eine Rolle gespielt haben könnten. Später wurde auch noch die Einkreuzung des Shire Horse relevant. Hierbei handelt es sich um die größte Pferderasse, die es heutzutage auf der Welt gibt, und die dem Clydesdale zu seiner ebenfalls imposanten Größe entscheidend verholfen haben sollte. Clydesdale und Shire Horse ähneln sich aufgrund der Einkreuzungen stark – das Clydesdale ist dabei häufig aber noch ein wenig leichter und kleiner als das Shire Horse, was ihm auch in Hinblick auf seine Wendigkeit zugutekommt. Wie wir noch im Folgenden darstellen werden, ist das Clydesdale ein Kaltblut mit einem optisch sehr attraktiven Erscheinungsbild und einem hervorragenden Charakter. Auch dies mögen die Gründe gewesen sein, warum das Clydesdale ein echter schottischer Exportschlager wurde und zum Beispiel in den USA und in Kanada viele Anhänger gefunden hat.

Äußeres Erscheinungsbild der Clydesdale

In aller Regel handelt es sich bei einem Clydesdale um einen Sabinoschecken. Ihre typische Zeichnung betrifft die Beine und die Blesse – an beiden Stellen sind weiße Abzeichen zu erkennen. In Bezug auf die Blesse kann man beim Clydesdale auch häufig von einer Laterne sprechen, also von einer Blesse, die ihr Ende an den Nüstern findet, allerdings nahezu die ganze Stirn sowie den Nasenrücken überzieht. Oft sind beim Clydesdale aber auch das Maul sowie die Nüstern hell gefärbt. Die Stirn des Clydesdale selbst fällt in der Regel recht breit aus, das Profil ist gerade. Bei Betrachtungen des imposanten Kopfes fallen allerdings auch die Ohren auf: Sie weisen eine bemerkenswerte Länge auf. Eine weitere Besonderheit ist zudem, dass die Beine des Clydesdale recht lang sind. Dies verleiht dem Kaltblut eine gewisse Eleganz, die es von manch einer anderen Rasse unterscheidet. Die Hufe dieses Kaltblutes sind sehr widerstandsfähig und groß, sodass sich das Clydesdale auch auf festen Untergründen sehr gut fortbewegen kann. Über den Hufen, also an den Fesseln des Pferdes, darf zudem der Kötenbehang nicht fehlen, der durch sein oft seidiges Erscheinungsbild ein echter Blickfang ist und zugleich den praktischen Nutzen erbringt, vor Feuchtigkeit zu schützen. Der Schweif diese Kaltblutrasse setzt recht hoch an, die Schweifrübe wurde in früheren Zeiten oft kupiert, was heutzutage in Deutschland aber selbstverständlich verboten ist. Viele Vertreter der schottischen Pferderasse weisen als Grundfarbe einen schönen Braunton auf, der hübsch mit den oben beschriebenen weißen Abzeichen an Kopf und Beinen kontrastiert. Dies bedeutet allerdings nicht, dass keine anderen Grundfärbungen auftreten könnten – diese sind einfach nur sehr viel seltener. Mit einem Gewicht von bis zu 1000 Kilogramm, einem Stockmaß von bis zu 192 Zentimetern sowie mit seinem starken Hals und Rücken ist das Clydesdale ohne Frage eine sehr imposante Erscheinung. Heutzutage sind Züchter allerdings dazu übergegangen, das Clydesdale oft in einer leichteren und etwas kleineren Variante zu züchten. Diese Veränderung im Zuchtziel ist darauf zurückzuführen, dass das Clydesdale heutzutage fast nur noch repräsentieren und nicht mehr wirklich schweren Arbeiten nachgehen muss.

Charaktereigenschaften der Clydesdale

Was nützt es, wenn ein Pferd stark ist, charakterlich allerdings wenig zur Leistung bereit ist? Von Leistungsverweigerung ist beim Clydesdale aber selbstverständlich keine Spur. Es weist einen ausgeprägten Arbeitswillen auf und zeigt sich zudem für ein Kaltblut auch noch ziemlich temperamentvoll und neigt auf keinen Fall zur Lethargie. Trotz seines massigen Körpers ist das Clydesdale sehr beweglich und führt auf der Weide nicht selten übermütige Bewegungen aus, die man von einem Kaltblut gar nicht erwarten würde. Trotz dieses für Kaltblüter bemerkenswert agilen Auftretens ist das Clydesdale freundlich und dem Menschen sehr zugetan. Es benötigt in jedem Fall den Kontakt zu seinem Menschen und kann sich an diesen sehr gut binden.

Verwendung früher und heute

Arbeiten ist für Kaltblüter eine Passion. Das Clydesdale macht hier keine Ausnahme. Von den wirklich schweren Arbeiten, die seine Ahnen in Schottland ausüben mussten, hat sich das Clydesdale zwar entfernt. Es wird aber immer noch gerne eingesetzt, um als Zugpferd zu agieren. Traditionell ist dabei der Einsatz als Brauereizugpferd – ein Image, von dem das Clydesdale auch aufgrund von Werbespots noch lange zehren wird. Aufgrund seiner Eleganz und optischen Attraktivität ist das Clydesdale zudem ein besonderer Hingucker auf Pferde-Shows, bei denen es seine Leistungen und seinen Arbeitswillen präsentieren kann. Und auch als Freizeitpferd erfreut sich das Clydesdale unter Reitern, die das Ursprüngliche an Kaltblutpferden zu schätzen wissen, einer großen Beliebtheit. Als Kaltblut mit einem sanften Charakter ist es dabei auch für ältere Reiter, die es etwas gemütlicher angehen lassen möchten, durchaus geeignet. Derart verbreitet wie andere Pferderassen ist diese besondere
schottische Rasse allerdings natürlich nicht, sodass sie für Individualisten und Liebhaber des Besonderen wohl noch lange Zeit interessant bleiben wird.