Brabanter und Belgisches Kaltblut – das sind gleich zwei Namen für ein und dieselbe Kaltblutpferderasse. Was sich dabei mit vielleicht nur mittelmäßigen Geografiekenntnissen nicht auf Anhieb erschließt, ist, dass auch gleich beide Namen auf den Ursprung der besagten Kaltblutpferde hindeuten.

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By Steffen Heinz (Caronna 12:27, 26 August 2007 (UTC)) (Own work) [GFDL or CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Wo Belgien liegt, dürfte bekannt sein. Was hat es aber mit Brabant auf sich? Diesen Namen trug eine ehemalige Provinz, die ziemlich mittig in unserem Nachbarland Belgien lag. Heute gibt es diese Provinz in dieser Art nicht mehr – das Belgische Kaltblut stört sich an solchen Spitzfindigkeiten des Föderalismus aber sicherlich überhaupt nicht. Wie es sich für ein Kaltblut gehört, würde es, wenn es die Einteilung von Gebieten durch Menschen überhaupt verstehen würde, wohl sehr gelassen reagieren. Schließlich kann sich das Belgische Kaltblut über etwas anderes nach wie vor freuen: Es gehört zu den Kaltblutpferderassen, die sich einer besonders großen Bekanntheit sicher sein können. Seine Stärke und sein nettes Wesen sind hierfür sicherlich die hauptverantwortlichen Faktoren.

Belgisches Kaltblut – ein Pferd, das viele Rassen beeinflusste

Den Ursprung, der für den Brabanter bestimmend ist, haben wir oben schon in Belgien verortet. Dort ist das Belgische Kaltblut bereits sehr lange beheimatet und somit sicherlich auch schon länger, als es seine eigentliche, gezielte Zuchtgeschichte, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann, vermuten lässt. Wie alt das Belgische Kaltblut allerdings tatsächlich ist und wie sich die Rasse entwickelt hat, bleibt ein wenig spekulativ. Fest steht allerdings, dass das Belgische Kaltblut eine sehr alte Rasse ist, die in der Landwirtschaft schon lange vor unserer jetzigen Zeit viele Hunderte Jahre wichtige Aufgaben übernahm. Sicherlich auch aufgrund der Kraft und der imposanten Gestalt des Belgischen Kaltblutes wurde diese Pferderasse bei Zeiten auch über die Grenzen Belgiens hinaus bekannt. Vertreter anderer Nationen führten diese Pferderasse gezielt in ihre Länder ein, um andere Kaltblutrassen zu entwickeln. So lebt ein wenig Belgisches Kaltblut sozusagen auch in Pferden anderer Rassen weiter.

Äußeres Erscheinungsbild des Belgischen Kaltblutes: Kraft hoch zehn

Nicht umsonst wurde das Belgische Kaltblut immer wieder gerne verwendet, um andere Kaltblutrassen zu formen. Man könnte gar soweit gehen und das Belgische Kaltblut als ein prototypisches Kaltblutpferd beschreiben. Nahezu alles am Belgischen Kaltblut ist breit und kräftig geformt. Lediglich die Köpfe der anmutigen Tiere machen hier eine kleine Ausnahme: Sie wirken – zumindest im Vergleich zu den Körpern der Pferde – mitunter durchaus etwas zierlich. Trotzdem bringt das Belgische Kaltblut natürlich ein äußerst stattliches Gewicht auf die Waage, das sogar von Fall zu Fall weit über 1.000 Kilogramm liegen kann. Um diese Größenordnung einmal zu verdeutlichen, sei folgender Vergleich gestattet. Ein Hannoveraner wiegt gut und gerne schon einmal 650 Kilogramm. Das Belgische Kaltblut kann im Extremfall also fast so viel wiegen wie zwei ausgewachsene Hannoveraner. Ganz schön beeindruckend, oder?

Aber auch wenn die Masse, die ein Belgisches Kaltblut mitbringt, ein sehr auffälliges optisches Merkmal ist, ist es natürlich nicht das einzige, das typisch für diese Pferderasse ist. Auffällig sind auch die mitunter nicht unbedingt langen Beine des Belgischen Kaltblutes sowie die gespaltene Kruppe. Bei Letzterem handelt es sich übrigens um die Gesäßregion. Wird diese als gespalten bezeichnet, ist dies ein Hinweis darauf, dass das jeweilige Pferd in der besagten Körperregion enorme Muskeln aufweist. Und diese Muskeln sind für die Verwendung, welche das Belgische Kaltblut in der Vergangenheit gefunden hat, durchaus relevant. Dazu aber weiter unten mehr. Widmen wir uns nun erst einmal der Frage, wie der Charakter des Belgischen Kaltblutes im Groben zu beschreiben ist.

Charakter: Das Belgische Kaltblut als Prototyp des angenehmen Kaltblutes

Beim Belgischen Kaltblut bekommt man nicht nur auf optischer Ebene genau das versprochen, was man sich so häufig unter einem Kaltblut vorstellt. Auch der Charakter des Belgischen Kaltblutes ist in aller Regel so, wie man es von einem starken Arbeitstier erwartet. Das Belgische Kaltblut neigt demnach nicht zur Hektik oder gar Nervosität, verrichtet seine Aufgaben aber durchaus engagiert. Beide Eigenschaften sind für ein Arbeitspferd von hoher Bedeutung. Zu nervöse Pferde könnten zu schnell scheuen und sich von der Arbeit ablenken lassen. Starke, aber wenig arbeitswillige Pferde wiederum wären schwer zu führen und anzuleiten. Und wie sieht es mit der Beziehung aus, die das Belgische Kaltblut zu seinem Besitzer aufbauen kann? Sehr gut! Das Belgische Kaltblut bleibt trotz seiner unglaublich großen Kraft in aller Regel seinem Menschen gegenüber äußerst behutsam, gutherzig und freundlich. Wäre das Belgische Kaltblut also nicht selbst ein Pferd, wäre es – wie man so schön sagt – sicherlich ein Freund, mit dem sich Pferde stehlen lassen.

Verwendung des Belgischen Kaltblutes – gestern und heute

Eine besondere Verwendung des Belgischen Kaltblutes wurde schon weiter oben angesprochen: Diese Pferderasse fand häufig Einsatz, wenn es darum ging, andere Kaltblutpferderassen zu formen. Dies ist aber natürlich viel mehr ein Resultat aus den guten Leistungen, die das Belgische Kaltblut auf anderer Ebene erbrachte, als der primäre Verwendungszweck. Zur Anerkennung, die dem Belgischen Kaltblut allseits entgegenschlägt, hat dabei sicherlich seine unfassbare Stärke einen enormen Beitrag geleistet. Durch diese war es wunderbar geeignet, in der Landwirtschaft und in anderen Kontexten schwere Lasten zu ziehen. Da die Stärke des Belgischen Kaltblutes allerdings auch durch eine gewisse Wuchtigkeit des Körpers erzeugt wird, war diese Rasse auch zur Fleischgewinnung interessant. Heute setzen Freunde des Belgischen Kaltblutes aber natürlich zum Beispiel auf beschauliche Kutschfahrten mit ihren außergewöhnlichen Pferden. Denn im Schritt gehen und ordentlich Gewicht hinter sich her zu ziehen, ist für das arbeitswillige Belgische Kaltblut auch heute noch ein Vergnügen.