Dass Kraft und Eleganz keine Gegensätze sein müssen, ist allseits bekannt. Schließlich empfinden wir zum Beispiel auch den Tanz des Boxers um seinen Gegner oder das kraftvolle Schreiten einer Raubkatze als recht elegant. Aber lässt sich die Koexistenz von Kraft und Eleganz auch Kaltblutpferden zuschreiben? Auf jeden Fall! Bei Kaltblutpferden gibt es einige Rassen, deren Vertreter wahre Kraftpakete sind, die aber dennoch einen hohen Grad an Anmut aufweisen. Zu diesen Rassen gehört auch eine Rasse namens Boulonnais. Sie darf in unserer Vorstellung einzelner Kaltblutpferderassen also auf gar keinen Fall fehlen.

Boulonnais

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Erfahren Sie im Folgenden, woher die Rasse Boulonnais stammt, inwiefern diese Pferde es schaffen, Kraft und Anmut zu vereinen, und wie sie in früheren Tagen genutzt wurden und heute genutzt werden.

Boulonnais – Ursprung und Verwendung in der Geschichte

Man muss nicht fließend Französisch sprechen, um zu erkennen, dass der Name Boulonnais eindeutig der französischen Sprache entstammt. Somit wäre ein Teil der Herkunft des Boulonnais zumindest schon einmal geklärt. Natürlich geht es aber auch noch eine Spur genauer: Der Name Boulonnais leitet sich offenbar von einer Stadt namens Boulogne ab. Diese Stadt liegt in dem Département Pas-de-Calais und somit in Norden Frankreichs am Atlantik. Aber nicht nur die Herkunft des Boulonnais an sich ist interessant. Wer diese Rasse zu Gesicht bekommt, wird vielleicht erst einmal ein wenig verwirrt innehalten: Kann es wirklich sein, dass man hier vor einem Kaltblutpferd steht, das einen unweigerlich auch ein wenig an orientalische Pferde erinnert? Ja – dieser Eindruck ist durchaus gerechtfertigt. Orientalische Pferde sind zwar bei Weitem nicht die einzigen Pferde, die eingekreuzt wurden, aber ohne Frage diejenigen, die dem Boulonnais eine ganz gewisse Aura verleihen.

Verwendet wurden Vertreter der Rasse Boulonnais durch den Menschen im Laufe der Geschichte auf vielfältige Art und Weise. Die Pferde erwiesen sich zum Beispiel als Schlachtrösser dienlich, da sie natürlich wie für ein Kaltblut üblich eine gewisse Wucht mitbringen, dabei allerdings auch wach und wendig waren. All dies waren gute Eigenschaften für ein wahres Schlachtross, das sicherlich manchem Gegner das Fürchten lehrte. Überdies erwiesen sich die unterschiedlichen Linien des Boulonnais aber auch im (städtischen) Transportwesen sowie in der Landwirtschaft als hilfreich. Boulonnais, die für letzteren Zweck gezüchtet wurden, spielten aufgrund ihrer größeren Masse auch in der Fleischgewinnung eine Rolle.

Äußeres Erscheinungsbild des Boulonnais

Oben klang es schon an: Eine Linie des Boulonnais wurde gerne auch in der Landwirtschaft und als Schlachttier genutzt. Letzteres lässt Pferdefreunden heutzutage zwar einen eisigen Schauer über den Rücken laufen, ist aber vielleicht auch eine Erklärung dafür, warum sich die größere und schwerere Variante des Boulonnais mehr oder weniger durchsetzen konnte. In seiner größeren Variante kann der Boulonnais sicherlich auch einmal die magische Marke von 1,70 Meter in Sachen Stockmaß knacken. Eigentlich ist dieses aber die Obergrenze. Mit einem Gewicht, das sich bei dieser Größe schätzungsweise um die 800 Kilogramm bewegen könnte, ist der Boulonnais wie es sich für ein Kaltblut gehört also kein absolutes Leichtgewicht. So groß und schwer wie die Vertreter manch einer anderen Kaltblutrasse ist er allerdings auch wiederum nicht.
Größe und Masse sorgen bei einem Boulonnais vor allem im Vergleich zu Warmblutpferden schon für einiges Aufsehen. Sie sind aber nicht die einzigen Merkmale, die den Boulonnais zu einer echten Augenweide machen. Die oben schon angesprochene Einkreuzung orientalischer Pferde hat bei dieser Rasse deutliche Spuren hinterlassen. Neben den leichten Gängen des Boulonnais ist diesbezüglich vor allem seine Kopfform auffällig. Hier zeigen sich sehr feine Züge, welche den Vertretern dieser Rasse ein sehr charmantes Aussehen verleihen. Die wachen Augen des Boulonnais können dabei durchaus schon einen ersten Hinweis auf den Charakter geben, der für diese Rasse typisch ist. Mehr hierzu aber weiter unten.

Kommen wir also zurück zum optischen Erscheinungsbild des Boulonnais. Ein weiteres besonderes Merkmal des Boulonnais ist in dieser Hinsicht dessen Mähne. Sie fällt in aller Regel herrlich dicht aus und sieht sowohl dann wunderschön aus, wenn sie beim über die Weide galoppierenden Boulonnais fröhlich im Wind weht, als auch dann, wenn die Halter sie liebe- und kunstvoll geflochten haben. Und noch etwas darf nicht unangesprochen bleiben, wenn es um das Aussehen des Boulonnais geht. Hiermit ist selbstverständlich die Fellfarbe dieses anmutigen Pferdes gemeint. Grundsätzlich möglich ist es zwar, dass sich der Boulonnais als Fuchs, Brauner oder als Schimmel präsentiert. So richtig bekannt ist er wohl aber fast nur als Schimmel. Die helle Farbe lässt ein Pferd der Rasse Boulonnais dabei mitunter wie ein schönes, starkes Fabelwesen erscheinen.

Charakter des Boulonnais – von beiden Seiten etwas

Sie ahnen es schon, oder? Eine Kaltblutrasse, die orientalischen Einwirkungen ausgesetzt war, kann wohl kaum lethargisch oder gar im negativen Sinne phlegmatisch sein. Recht haben Sie! Dem Boulonnais wird gerne ein lebendiges Wesen zugeschrieben, aber auch eine gewisse Ruhe. Beides kann schließlich in unterschiedlichen Situationen gefragt sein. Und wer schon einmal einen Boulonnais über die Weide hat galoppieren sehen, wird die Energie, die ein solches Pferd versprühen kann, sofort wahrnehmen und in schöner Erinnerung behalten. Natürlich hat ein Boulonnais aber auch nicht vergessen, dass es doch noch immer ein Kaltblut ist. Dieser bedeutende Anteil seines Charakters lässt sich etwa auch daran erkennen, dass Pferde dieser Rasse sehr gerne arbeiten. Ihre Klugheit sollte es ihnen dabei in der Regel auch ermöglichen, relativ schnell Fortschritte zu machen und zu verstehen, was der Mensch von ihnen verlangt. Eine weitere Eigenschaft des Boulonnais, die auch gerne Kaltblutpferden im Allgemeinen zugeschrieben wird, ist die Gutmütigkeit. Insgesamt betrachtet können Pferde der Rasse Boulonnais also zu guten Freunden werden, mit denen es aber bestimmt auch nie langweilig wird.

Verwendung des Boulonnais in der heutigen Zeit

Die Sache mit der Verwendung des Boulonnais als Schlachttier vergessen wir lieber wieder schnell. Werfen wir besser einen fröhlicheren Blick darauf, was Halter, die wahre Tierfreunde sind, heute gemeinsam mit dem Boulonnais erleben können. Geradezu prädestiniert erscheint dieses Pferd natürlich dafür zu sein, seine Kraft und Energie beim Fahren und Ziehen einzusetzen. Aber auch gegen das Reiten auf dem Boulonnais sollte bei entsprechender Ausbildung nichts sprechen. Manchmal liest man sogar davon, dass Halter sich mit ihrem Boulonnais der Dressur widmen. Das mag zunächst ein wenig verblüffen – aber wenn Pferd und Reiter hieran Spaß haben, spricht natürlich auch nichts gegen diese doch recht anspruchsvolle Freizeitbeschäftigung. Somit scheint es wirklich sehr viele unterschiedliche Optionen zu geben, mit dem Boulonnais vergnüglich die eigene Freizeit zu verbringen.