Die Ardennen sind ein Gebirge, das sich über Frankreich, Luxemburg und Belgien erstreckt, wobei unsere belgischen Nachbarn den größten Teil dieser Landschaft für sich beanspruchen können. Nach dem bewaldeten Gebirge ist die Kaltblutrasse der Ardenner benannt, die hier seit langer Zeit beheimatet und traditionell gezüchtet wird.

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Foto: Vassil, Licence: public domain

Die Geschichte der Ardenner ist dabei lang: Welche Abstammung diese Kaltblutpferde aufweisen, werden wir im Folgenden klären. Zusätzlich finden Sie weiter unten Informationen zum äußeren Erscheinungsbild, zum Charakter sowie zur Haltung und Verwendung der Ardenner.

Abstammung und Zucht

Den Ausgangspunkt in der Geschichte der Ardenner markiert das Solutré-Pferd. Hierbei handelt es sich um eine Pferderasse aus der Prähistorie, die bei Ausgrabungen in einem kleinen Ort in Burgund entdeckt werden konnte. Schätzungen gehen davon aus, dass das Solutré-Pferd schon vor 50.000 Jahren lebte. Der Ardenner an sich findet schon bei den Römern Verwendung und hat in den folgenden Jahrhunderten viele historische Ereignisse als Reitpferd begleitet. Die Rasse wurde dabei immer wieder durch Einkreuzung anderer Rassen verändert. Dies erschien notwendig, da sich auch die Verwendungszwecke von Pferden immer wieder wandelten: Mal waren Reitpferde gefragt, mal benötigten Bauern besonders starke Pferde, welche halfen, die Arbeiten auf den Höfen zu erledigen. Auch heutzutage haben die Bemühungen, den Ardenner (und andere Pferderassen) zu veredeln oder zumindest zu verändern noch kein Ende genommen. Der Ardenner selbst ist allerdings auch Ausgangspunkt für andere Rassen. So etwa für den Pfalz-Ardenner, den man nicht mit dem ursprünglichen Ardenner verwechseln sollte. Der Pfalz-Ardenner wird sowohl in Frankreich als auch in Deutschland (Pfalz und Saarland) gezüchtet. Neben dem Ardenner haben bei der Herausbildung des Pfalz-Ardenners auch andere Pferderassen aus Deutschland, Frankreich und Belgien eine Rolle gespielt.

Äußeres Erscheinungsbild des Ardenners

Mit einem Gewicht von bis zu 1.000 Kilogramm und einem Stockmaß von bis zu 165 Zentimetern ist der Ardenner selbst für ein Kaltblutpferd sehr wuchtig. Das stattliche Gewicht verteilt sich vor allem auf den breiten Körper, der eine breite Brust zeigt. Die Beine des Ardenners sind zwar ebenfalls wuchtig, sie sind gleichzeitig aber auch relativ kurz. An ihrem Ende, am Fesselgelenk und rund um den Huf findet man die stark ausgeprägten dichten Köten vor, die für viele Kaltblutpferde typisch sind und als Schutz vor Feuchtigkeit dienen. Die Schultern des Ardenners strotzen geradezu vor Kraft und halten den massigen, aber nicht zu kurzen Hals. Dieser wird von einem – im Verhältnis zum sonstigen Körper – doch recht kleinen Kopf gekrönt. Dieser verläuft gerade, häufig kommen aber auch Ramsnasen vor, für die eine aufgewölbte Nasenpartie sowie eine gerade Stirn beschreibend sind. Die Nüstern fallen oft recht breit aus. Auch der Rücken des Ardenners ist kräftig, wenn auch kurz geformt. Dennoch lässt sich eine gute Sattellage feststellen. Die Farbe kann beim Ardenner variieren: Es gibt Braune, Schimmel, Füchse und Rappen, nur keine Schecken. Dabei gilt es auch als typisch für die Rasse, dass sich an den Gliedmaßen oder am Kopf keine, oder aber nur wenige kleine weiße Abzeichen befinden.

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Foto: Vassil, Licence: public domain

Charakter des Ardenners

Als Pferderasse mit einer langen Geschichte präsentiert sich der Ardenner auch heute noch als äußerst robust – dies gilt sowohl in Hinblick auf seinen Charakter als auch in Bezug auf seine Gesundheit. Der schwere Körperbau deutet bereits darauf hin, dass diese Pferderasse für das Arbeiten geboren ist. Und tatsächlich zeigt sich der Ardenner auch charakterlich als ein Pferd, das Freude an der Arbeit hat und vor Ausdauer nur so strotzt. Der Ardenner stellt dabei immer wieder starke Nerven unter Beweis, zeigt sich trotz seiner Kräftigkeit von seiner gutmütigen und ruhigen Seite. Dies und sein hohes Gewicht sollten aber nicht zu dem Trugschluss führen, dass der Ardenner kein Temperament zeigen könnte. Er gilt durchaus als lebhaft, stellt an seine Haltung aber keine besonders hohen Ansprüche.

Verwendung des Ardenners

Nachdem wir Exterieur (Erscheinungsbild) und Interieur (Charakter/Verhalten) des Ardenners beschrieben haben, lassen sich auf dieser Basis sehr gut die Verwendungszwecke dieser Pferderasse erläutern. Wie schon im Abschnitt „Abstammung und Zucht“ deutlich geworden sein sollte, war der Ardenner den Menschen seit jeher eine Hilfe. Besonders gilt dies in allen Kontexten, in denen er als Arbeitspferd in der Landwirtschaft eingesetzt wurde. Hier konnte und kann der Ardenner seinen muskulösen und schweren Körper am besten einsetzen und zugleich durch seine charakterlichen Eigenschaften, die ihn gut handhabbar machen, glänzen. Heutzutage, in einer Zeit, in der Maschinen die Oberhand in der Landwirtschaft übernommen haben, kann man von der Zugleistung und Ausdauer des Ardenners beim Fahren profitieren. Selbstverständlich eignet er sich aber auch als Reitpferd. Nicht verschwiegen werden darf allerdings auch, dass der Ardenner oft als Mastpferd genutzt wird – aufgrund des Gewichtes, das er erreichen kann, verwundert dieses allerdings nicht: Er liefert einfach sehr zuverlässig, sehr viel Fleisch.